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Details Gefechtsturm




Die Wiener Flaktürme wurden zur Zeit immer stärker einsetzender Luftangriffe 1942/43 möglichst rasch gebaut. Auf Details, die formal eine geplante Nachnutzung vorwegnehmen, verzichtete man großteils aufgrund der Zeitnot. Die obere Auskragung scheint dagegen ein reines formales Element zu sein. Die früher auf den unteren Plattformen platzierten leichten Geschütze gegen Tiefflieger wurden zur Zeit des Wiener Flakturmbaus nicht mehr eingesetzt.
Der Gefechtsturm im Arenbergpark hat einen Grundriss von 47 x 47 m und eine Höhe von rund 42 m. Bei diesem Gefechtsturmtyp wurde auf die vielen Fensteröffnungen von früheren Türmen (errichtet in Hamburg und Berlin) verzichtet. Die Außenwände der Stahlbetonkonstruktion haben eine Stärke von 2 bis 2,5 m, die oberste Decke ist rund 3,5 m dick.
Die Türme stehen heute als massive Volumina aus Stahlbeton im städtischen Raum.

Betonfassade


Detailansichten der Außenfassade. In den Plänen zum Flakturmbau war vorgesehen, die Türme nach Kriegsende als Repräsentationsbauten zu verwenden. Dazu sollten sie umgestaltet und die Sichtbetonfassade verkleidet werden. Es gibt mündlich Überlieferungen, wonach geplant war, nach dem "Endsieg" die Wiener Türme mit Marmorplatten zu ummanteln. Aufgrund der Bauzeit kurz vor Kriegsende 1942/43 wurde dieses Vorhaben nicht mehr verwirklicht. Die Wiener Flaktürme bestehen heute nahezu im Originalzustand und stehen unter Denkmalschutz.

Plattform










Abb.: Die vier FLAK-Zylinder, z.T. mit Beschädigungen durch Angriffe.
Die Gefechtstürme waren mit je vier, meist 12,8 cm-Zwillings-Flakgeschützen bestückt, die mit ihren sich überdeckenden Schussweiten (20-22km) den Luftraum kontrollieren sollten.
In den späten Kriegsjahren wurden die Flakbatterien an die Front geschickt. Danach kamen auch Lehrlinge und Schüler, manche nicht älter als 15 Jahre, als Luftwaffenhelfer bei den FLAKs zum Einsatz.

Leitturm

Abb.: Blick vom Gefechtsturm auf den Leitturm.
Wegen der starken Rauchentwicklung und der Erschütterung beim Abschuss der Geschütze musste man die Messgeräte auf einem eigenen Turm unterbringen. Daher die Trennung von Gefechtsturm und Leitturm, auf dessen oberer Plattform sich der "Würzburg-Riese" befand, der Daten über angreifende Flugzeuge maß und an die Gefechtstürme übermittelte.








Abb: Ansichten Leitturm Arenbergpark.
Auch der Leitturm weist 8 Stockwerke sowie einen Keller auf. Auf Höhe des 7.Stocks befindet sich an der Außenseite die Plattform für die leichte Flak mit je zwei "Schwalbennestern" auf jeder der Längsseiten. Die unteren Plattformen - bei früheren Bauarten von Flaktürmen in Deutschland noch für die Abwehr von Tieffliegern genutzt - wurden in Wien nie mit Geschützten bestückt, da die Luftangriffe nun ausschließlich von großer Hohe geflogen wurden. Sie wurden dennoch bis zuletzt errichtet, womöglich aus rein gestalterischer Absicht oder um die Türme auch von unten funktionstüchtig aussehen zu lassen. Die Wiener Flaktürme haben je unterschiedliche Höhen, ihre obersten Plattformen liegen jedoch auf gleichem Niveau über dem Meerespiegel, was die Koordination erleichterte.

Der Bau der Flaktürme erhielt die höchste Dringlichkeitsstufe was Materiallieferung und die Zuteilung von Arbeitskräften betraf. Da deutsche bzw. österreichische Arbeitskräfte zunehmend einberufen wurden, setzte man auch Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Häftlinge aus den Konzentrationslagern beim Bau ein. Die "Arbeiterlager" für die Flakturmbaustellen befanden sich bei der Nußdorfer Schleuse zwischen Donaukanal und Donau, weitere Arbeiter-Unterkünfte im 4. Bezirk und wahrscheinlich auf den Baustellen selbst.
Der Bau wurde vor allem auch durch Probleme bei der Materialzulieferung erschwert. Für die Türme im Arenbergpark wurden mit einer eigens errichteten Feldbahn die Baumaterialien vom Donaukanal über die Neulinggasse/Wassergasse zur Baustelle transportiert. Nach Kriegsende wurde in der Schneise ein Gemeindebau errichtet.

Parkbenutzung






Die Flaktürme in Wien befinden sich in dicht bebauter Umgebung. Eine Sprengung war deshalb nach dem Krieg nicht möglich. Bis heute flankieren die beiden Türme baulich unverändert den Arenbergpark. Obwohl keine Hinweistafel im Park zu finden ist, haben die Türme die Funktion von Mahnmälern.
Der Gefechtsturm wird vom Museum für Angewandte Kunst als Gegenwartskunstdepot genutzt.
Einige der vertretenen KünstlerInnen setzten sich auch in eigens konzipierten Arbeiten mit dem Turm auseinader. Das MAK plant mit dem CAT-Projekt darüber hinaus eine nach außen sichtbare künstlerische Intervention, Veränderung und Belebung des Turms, was bei den Anrainern jedoch auf massive Ablehnung stößt.

Eingebettet in die Natur






Bei keinem der Flaktürme gibt es eine aufklärende Legende. Statt dessen werden die Türme im Arenbergpark im Frühjahr und Sommer fast idyllisch von der Natur verdeckt.
Am 8. Mai 2002, zum Jahrestag der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht, brachte die KPÖ Wien eine Gedenktafel im Park an, die wenige Wochen später verschwand. Auf ihr war der Text zu lesen:

Flaktürme sind Zeugnisse des Nationalsozialismus.

Von Menschen unterschiedlicher Nationalität in Zwangsarbeit errichtet, sind sie Mahnmale der Entwürdigung und massenhaften Vernichtung von Menschen im Nationalsozialismus.

Als Mahnmale des Vernichtungskrieges geben sie uns zu erinnern, mit welchen Schrecken und Verbrechen dieser Europa überzogen hat.

Diese baulichen Relikte der Unmenschlichkeit mahnen uns, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken und dessen kriegerischen Wahn auf immer zu verstoßen.

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Am 8. April 1945 verließ auch die Restbesatzung des Flakturms im Arenbergpark nach vier tage- und nächtelangem Feuer den Bunker, nachdem sie die gesamte Munition verschossen und die Geschütze auf der Plattform sowie die technischen Einrichtungen gesprengt hatte.